Lexikoneintrag: Vereine

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Deutscher Bund

Katholische Vereine (D)
 "Die Katholiken suchten die Gunst der Stunde zu nutzen, um das Verhältnis von Staat und Kirche in einem für die letztere günstigen Sinne zu beeinflußen" (S. 166). Es kam zur Bildung der sogenannten "Piusvereine für religiöse Freiheit". Sie verfolgten in der Regel eine gemäßigt-konservative Linie, "allerdings mit der Maßgabe, daß sie in allen nichtreligiösen Fragen strikte Neutralität üben wollen. Die katholischen Vereine des Rheinlands waren durchweg progressiver eingestellt;sie waren prononcierte Anhänger des liberalen Konstitutionalismus, allerdings mit einem deutlichen Einschlag sozialpolitischer Forderungen, mit Rücksicht auf ihre Klientel in den unterbürgerlichen Schichten" (S. 167). "Anders lagen die Dinge hingegen in Süddeutschland;hier nahmen die katholischen Vereine von Anfang an eine scharfe Frontstellung gegen die radikale Demokratie ein" (S. 167). "Als Zusammenschluß der zahlreichen Piusvereine wurde ein "Katholischer Verein Deutschlands" gegründet, der auf eine imposante Gefolgschaft im Land pochen konnte" (S. 168);
W. J. Mommsen: Die ungewollte Revolution, S. 166-168
Vereinswesen (D)
 Das politische Vereinswesen stellt sich für Wettengel als ein Massenphänomen dar, das Hunderttausende von Bürgern im Deutschen Bund erfasste. Er schätzt die Summe der Vereine während der Revolutionszeit auf mehrere Tausend und geht von mindestens 800.000 Mitgliedern politischer Vereine aus. Diese Zahlen interpretiert Wettengel als "eindrucksvolles politisches Engagement" (S.723) und spricht von einem "hohen Grad der Mobilisierung und Politisierung" (S.723) mit einer ausgeprä gten Breite der partizipierenden sozialen Schichten. Schon in der Revolutionszeit kristallisierten sich soziale Profile der einzelnen Parteien heraus, am deutlichsten bei der Arbeiterbewegung und den konstitutionellen Liberalen. Die Zahl der Vereine stieg nicht kontinuierlich sondern in Schüben. Auslöser des ersten großen Schubs waren die Wahlen zur Frankfurter Nationalversammlung im Mai / Juni 1848 sowie der erste Demokratenkongreß. Der zweite, schwächere Schub vollzog sich zwischen August und Oktober 1848, und die beiden stärksten Wellen sind zeitlich im Dezember 1848/ Januar 1849 sowie im März / April 1849 anzusiedeln. Als maß gebliche Auslöser sind Vereinsversammlungen, Kongresse, Grü ndungsaufrufe, Wahlen, die Reichsverfassungskampagne und auch die Siege der Konterrevolution zu identifizieren. Die Vereinsdichte hingegen war regional höchst unterschiedlich. Von "Schlesien im Osten über Sachsen, die thüringischen Staaten, Franken und Hessen bis zum Rheinland im Westen sowie im Südwesten einschließlich der linksrheinischen Gebiete bis zum Mittelrhein" (S.726) reichte eine Verdichtungszone politischer Vereine. Im Norden des Deutschen Bundes blieben die Vereinsbildungen vorwiegend auf die größeren Städte beschränkt. Österreich wurde von der Vereinsgründungswelle kaum tangiert. Beim Vergleich der verschiedenen politischen Richtungen steht das demokratische Vereinswesen als das mitgliedsstä rkste an erster Stelle, gefolgt von den Piusvereinen. Die demokratischen Bünde integrierten dabei oftmals weitere Vereine in ihre Organisation, z.B. Turn- oder Frauenvereine. Konservativ ausgeprägte Bündnisse konzentrierten sich eher in Preußen und am Ende dieser Skala stand die Arbeiterbewegung, was ihrer politischen Aktivität jedoch keinen Abbruch tat. Die Ausdehnung des Wahlrechts im Jahr 1848 förderte die Parteibildung. Mit Ausnahme der designierten Demokraten entwickelten die politischen Vereine auf nationaler Ebene lockere, dezentrale und föderative Strukturen. Parteiorganisationen fungierten als nationale Dachverbände, denen sich Landes- und Bezirksverbände sowie einzelne Vereine anschlossen. Diese lokalen Verbände waren dann meist straffer organisiert. Sie legten großen Wert auf ihre Unabhängigkeit, was neben organisationstechnischen und kommunikativen Problemen die Straffung der nationalen Organisationsstrukturen und damit die Koordination von landesweiten Aktionen behinderte. Generell war die Organisation der demokratischen Vereine am stärksten, am wenigsten ausgeprägt war sie bei den konservativen Vereinen. Außerdem verfügten die Demokraten tendenziell über die stärksten Verbindungen zu den Parlamentsfraktionen, zu denen sich die Abgeordneten der Nationalversammlungen organisierten. In ihnen wurden politische Programme entwickelt, die bereits damals mit der nötigen Fraktionsdisziplin verfolgt wurden. Im Verlauf der Revolutionszeit ist eine zunehmende Ausdifferenzierung der politischen Lager zu verzeichnen. Wahlsiege erforderten jetzt bereits "die Unterstützung durch eine politische Organisation und die regionale Presse" (S.732). Es fanden dementsprechend bereits regelrechte Wahlkämpfe statt, welche die Parteivereine für ihre Kandidaten bestritten. Das Selbstbild der Abgeordneten wandelte sich: Sie verstanden sich nun als ihren Wahlkreisen verpflichtet und ihre aktive Politik als dem Volk gegenüber rechenschaftspflichtig.;
Wettengel, Michael [1998], S. 722-734.
 1800
Vereinswesen (D)
 Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts begannen sich politische Vereine mit ü berwiegend nationalen, liberalen und radikalen Charakterzü gen in Deutschland zu bilden. In ihnen schlossen sich Bü rger zusammen, um ihren gemeinsamen Interessen zu einer stä rkeren Stimme zu verhelfen. Ihre Vorbilder stammten aus England und Frankreich, als Vorläufer sind aber auch Lesevereine und patriotische Vereine aus dem Deutschland der Aufklärungszeit zu nennen. Politische Vereine kämpften um Aufmerksamkeit für ihre Themen und Anliegen in der Öffentlichkeit, die sie versuchten auf ihre Seite zu ziehen. Sie bemühten sich um die "Integration größerer Bevölkerungsschichten in den politischen Meinungsbildungsprozeß" (S.702). Staatliche Unterdrückungsmaßnahmen wie die Karlsbader Beschlüsse und der Bundesbeschluß vom 5. Juli 1832 schränkten jedoch den Spielraum der Vereine stark ein. Als 1848 infolge der Märzerhebung Vereinsverbote und Versammlungsbeschränkungen entfielen, entstand eine ausdifferenzierte Vielzahl politischer Vereine, welche sich nun weiter verbreiten konnten als ihre historischen Vorgä nger. Die Revolutionszeit war geprägt durch eine "Ausdifferenzierung und [...] Formierung der verschiedenen politischen Parteien" (S.704). Es entstanden Zusammenschlü sse mit lockerer Organisationsstruktur, die sich bis auf Provinzial-, Landes- oder die nationale Ebene erstreckte. Sie erreichten soziale Schichten, die zuvor nicht politisiert werden konnten. Das Aktionsprogramm umfasste die Veranstaltung von Versammlungen, die Verfassung von Petitionen, politische Bildungsarbeit, Kandidaturen für Wahlen, Wahlkampforganisation und Öffentlichkeitsarbeit. Dadurch wurden sie zu Motoren eines Politisierungsprozesses, der weite Teile der Bevölkerung erfasste und den politischen Wahrnehmungs- und Aktionsradius der Bürger erweiterte. Diese Kultur der politischen Vereine bildete sich als auß erparlamentarische Organisation zeitlich vor den parlamentarischen Fraktionen heraus. Mit den Parlamentsfraktionen entwickelten sie aber enge Verbindungen. Durch das steigende Bewusstsein um die Vorteile eines stärkeren Organisationsgrades unterschieden sich diese politischen Vereine zunehmend von bloßen Gesinnungsgemeinschaften.;
Wettengel, Michael [1998], S. 701-703.
 1817
Turnvereine
 Den Grundstein der deutschen Turnvereine legte 1817 Friedrich Ludwig Jahn mit der Gründung der deutsche Turnbewegung. Jahn dachte dabei schon an politische Ziele. Wegen dieser Ziele wurden Turnvereine in Preußen und anderen deutschen Ländern in Folge der Karlsbader Beschlüsse verboten. Diese sogenannte 'Turnsperre' endete erst 1842, als Kaiser Friedrich Wilhelm IV. Leibesübungen als Teil der Volkserziehung anerkannte. Daraufhin wurden viele Vereine neu gegründet. Während der Revolution von 1848/49 wurden sie erneut politisch aktiv. Turnvereine dienten nun auch zur Diskussion politischer Fragen. Sie entwickelten eine Vereinskultur mit Festen, Fahrten, Versammlungen und Bildungsangeboten. Neben den aktiven Turnern gab es ab 1848/49 viele weitere Mitglieder, die die Vereine finanziell unterstützten und vorwiegend politische Ziele verfolgten. Diese passiven Mitglieder nannte man "Turnfreunde" oder "Maulturner". Viele aktive Turner waren mit einer Politisierung der Vereine nicht einverstanden. In den Turnvereinen spiegelten sich die politischen Verhältnisse der Gesellschaft. Sie waren standesübergreifende Vereine, die zum Teil einheitliche Kleidung für ihre Mitglieder vorschrieben und als Ansprache nur das bürgerliche "Du" nutzten. Durch ihr wachsendes Ausmaß gehörte sie zu den bedeutenden Teilen der deutschen Nationalbewegung im 19. Jahrhundert. 1848 schlossen sich einzelne Vereine zu einer nationalen Organisation zusammen. Aufgrund veschiedner politischer Ansichten zerfiel diese jedoch bald in zwei Lager: der Deutsche Turnerbund forderte die Einheit des deutschen Volkes, der Demokratische Turnerbund sprach sich darüber hinaus für eine demokratische Republik aus. 1850 wurde noch der Allgemeinen Deutschen Turnerbund gegründet, zu dem die demokratischen Vereine sowie der Mittelrheinische Turnerbund F. Im Zuge der Revolution kam es jedoch erneut zu Verboten von Turnvereinen. Das letztliche Scheitern der revolutionären Bewegung war auch für die Turnbewegung ein schwerer Rückschlag in ihrer Entwicklung.;
Egger, Heike (1998), S. 57-61
 1848
Centralmärzverein
 Am 23.November 1848 schlossen sich die Fraktionen Donnersberg, Deutscher Hof und Teile von Westendhall zum Centralmärzverein, dem größten Vereinsverband der Revolutionszeit, zusammen. Diese Fraktionen vertraten in der Frankfurter Nationalversammlung eine gemäßigt demokratische Position, die durch den Centralmärzverein nun auch außerparlamentarisch vertreten werden sollte. Dennoch wurden die Verbindungen zu den Parlamentsfraktionen nicht gekappt: Der Centralmärzverein war der einzige Verein der Revolutionszeit, der diese Beziehungen institutionalisierte. Die Gründung dieses weniger radikal ausgerichteten Vereins fällt nicht zufällig in eine Zeit, die durch das Erstarken der alten Mächte gekennzeichnet war. Entscheidender Auslöser war jedoch die Ablehnung des Steuerverweigerungsbeschlusses der Berliner Nationalversammlung in der Paulskirche. Zu den Forderungen des Centralmärzvereins zählten die Durchsetzung der Volkssouveränität, die Verteidigung der Mä rzerrungenschaften sowie die Errichtung parlamentarischer Regierungsformen. Weiteres zentrales Anliegen war eine vom Volk gewählte Verfassung mit demokratischem Wahlrecht und liberalen Grundrechten. Der Centralmärzverein entwickelte sich schnell zur größten Vereinsorganisation der Revolutionszeit. Ein Vierteljahr nach seiner Gründung gehörten ihm mehr als 1000 Vereine an, seine Mitgliedsstärke wurde auf eine halbe Million taxiert. Politisch nahe standen den Demokraten sowohl die konstitutionellen Liberalen als auch die Arbeitervereine. Die eher lockere, dezentrale Organisationsstruktur kam dem bereits existierenden Vereinswesen entgegen und erklärt die ausgeprägte Verbreitung des Centralmärzvereins. Zudem wurden die zentralen Ideen über eine Vielzahl von Zeitungen publiziert. Der Centralmärzverein besaß bereits Züge einer modernen Massenpartei. Die "Hochburgen" demokratischer Vereine, zu denen der Centralmärzverein zu rechnen ist, lagen in "Sachsen [...], im Rhein-Main-Gebiet, in Rheinhessen [...], in der Rheinpfalz [...], in Thüringen, in Baden, in Unterfranken [...] und in Hohenzollern" (S.727). Die erstaunliche Größe der Bewegung stellte aber auch ihr größtes Problem dar: Unter dem gemeinsamen Dach sammelten sich Vereine unterschiedlichster politischer Couleur an, deren einzelne Interessen schlecht koordinierbar waren. Groß e Differenzen gab es innerparteilich um die Frage der anzustrebenden Staatsform. Gemäßigte bevorzugten tendenziell die parlamentarische Monarchie, radikale Demokraten postulierten die Republik. Nach der Ablehnung der Kaiserkrone im April 1849 verschärfte sich dieser Konflikt und zog den Austritt einiger demokratischer Vereine aus der Organisation nach sich.;
Wettengel, Michael [1998], S.708-710 und S.727 und S.732.
Demokratische Vereine (D)
 Die demokratischen Vereine setzten sich für ein Weitertreiben der Revolution mit dem Ziel der Durchsetzung einer föderalistischen Bundesverfassung nach dem Muster der nordamerikanischen Freistaaten ein. Weiterhin forderten sie die progressive Einkommenssteuer und die unentgeltliche Erziehung aller Schichten der Bevölkerung. "In der Polenfrage plädierten die radikalen Demokraten für einen Verzicht auf überwiegend deutsch besiedelte Regionen zugunsten der Wiederherstellung eines demokratischen polnischen Nationalstaates;ansonsten vertraten sie eine eher noch nationalistischere Linie als ihre Rivalen im liberalen Lager, insbesondere in der schleswig- holsteinischen Frage" (S. 152);
W. J. Mommsen: Die ungewollte Revolution, S. 151- 154
Konstitutionelle Vereine (D)
 Aufgrund von Vorbehalten gegenüber dem Parteiwesen entwickelten sich - verglichen mit demokratischen Organisationen - nur wenige, schwach organisierte außerparlamentarische Organisationen konstitutionell-liberaler Prägung. Verbindungen zu parlamentarischen Fraktionen hatten persönlichen, nicht institutionellen Charakter. Auch der Aktivitätsgrad der Mitglieder ist als eher verhalten anzusehen. Dennoch gab es bereits früh Bestrebungen zu Zusammenschlüssen der konstitutionellen Vereine, sogar auf nationaler Ebene. Auf einem Kongreß in Kassel im November 1848 wurde schließlich der "Nationale Verein" gegründet, der etwa 160 Mitgliedsvereine zählte. Dies war jedoch im Vergleich mit den demokratischen Vereinen eine sehr geringe Zahl, und auch die Vereinsdichte blieb weit hinter der anderer Bewegungen zurück. Möglicherweise fiel es den liberalen Konstitutionellen als Regierungspartei schwieriger, die Massen zu mobilisieren als der demokratischen Opposition. Die Mitglieder entstammten vorwiegend der bürgerlichen Schicht. Auf dem Land verzeichneten das liberale Lager nur geringe Verbreitung. Unter den Liberalen war eine ausgeprägte Flügelbildung zu verzeichnen. Ihnen schlossen sich viele Konservative an, die von den liberalen Konstitutionellen z.T. als reaktionär betrachtet wurden. Diese Konstellation barg eine Vielzahl von innerparteilichen Konflikten. Die konstitutionellen Liberalen lehnten die republikanischen Staatsform größtenteils ab. Dem stand jedoch kein definitiver Entschluß zur Aufnahme der konstitutionell-monarchischen Staatsform in das Programm des Nationalen Vereins gegenüber, denn solche Bestrebungen wurden von Austrittsdrohungen einer Vielzahl von Vereinen flankiert. Somit blieb das Selbstverständnis des Bü ndnisses darauf beschränkt, sowohl anti-anarchisch als auch anti-reaktionär zu agieren. Die politischen und sozialen Zielsetzungen der Arbeiterbewegung schreckten die Liberalen eher ab. Politisch standen ihnen einerseits die Demokraten, andererseits die Konservativen nahe. Nach der Ablehnung der Kaiserkrone im April 1849 stellte sich dem Nationalen Verein die Frage nach einem Bündnis mit dem Centralmärzverein. Es ging um die Durchsetzung der Reichsverfassung. Auf dem "Nationalen Kongreß", der in Frankfurt a.M. am 14. Mai 1849 stattfand, spaltete diese Frage die Reihen des Nationalen Vereins. Dieser Bruch stellte sich als entscheidend heraus, denn im Juni 1849 löste sich der Nationale Verein auf.;
Wettengel, Michael [1998], S. 710-714.
 März 1848
Arbeitervereine (D)
 Zu Beginn der Revolutionszeit waren die Arbeiterbewegungen noch kaum organisiert. Sie entwickelten sich aus Geflechten lokaler Organisationen von handwerklichem Charakter. Zusammenschlüsse einzelner Vereine wurden durch interne Differenzen und starke Befü rchtungen aus dem bürgerlichen Milieu vor dem radikalen Charakter dieser Bewegung erschwert. Bei Betrachtung der sozialen Struktur fällt die Vorherrschaft von Berufen wie Buchdruckern, Schuhmacher, Schneider und Schreiner auf. Wettengel interpretiert dieses Phänomen als "Indiz für die wirtschaftlichen Probleme insbesondere im sogenannten ´ Massenhandwerk´ , aber auch für Organisationserfahrungen und frühere gewerkschaftliche Bestrebungen, beispielsweise bei den Druckern" (S.724). Über ein ausgeprägtes Programm verfügte der "Bund der Kommunisten", das sich auf Marx´ Kommunistisches Manifest gründete. Der zahlenmäßig stärkste Arbeiterverein der Revolutionszeit mit zeitweise 5000 Mitgliedern befand sich in Köln. Regionale Zentren der Arbeiterbewegung befanden sich in Sachsen sowie in Mittel- und Unterfranken. Auf dem "Allgemeinen deutschen Arbeiter-Congreß" in Frankfurt postulierte im August bzw. September 1848 Karl Georg Winkelblech die "Interessengleichheit von Meistern und Gesellen" (S.719). Weitere Forderungen bestanden in der "Organisation der Arbeit" durch ein "soziales Parlament" und ein "soziales Ministerium". Den größten Feind der Arbeiter sah er in der "Geldmacht". Auf diesem Kongreß wurde auch die Gründung eines Arbeitervereins auf nationaler Ebene beschlossen. Als erfolgreicher stellte sich allerdings die Arbeiterverbrüderung Stephan Borns heraus. Am 11. April 1848 entstand dieses "Zentralkomitee fü r Arbeiter". Dieser nationale Zusammenschluß konnte sich bereits im Juni auf ein ausgearbeitetes Programm stützen, welches u.a. Forderungen nach Minimallöhnen, Arbeitszeitbegrenzung, Steuerreformen, Einführung staatlicher Fürsorge und die Aufhebung von Reisebeschrä nkungen für Arbeiter enthielt. Die Arbeiterverbrüderung erfreute sich eines raschen Anstiegs ihrer Mitgliederzahlen, die sich im Frühjahr 1849 auf mehr als 15.000 Mitgliedern in 170 Arbeitervereinen bezifferte. Dieser Akzeptanzgrad lässt sich auf die "praktische, sozialpolitische Ausrichtung" (S.721) zurückführen. Charakteristisch für die Arbeitervereine waren aber auch starke Schwankungen der Mitgliedszahlen - laut Wettengel "Ausdruck der besonders starken Repressalien [...], aber auch der Fluktuation aufgrund von Wanderungen der [...] Gesellen" (S.721-722). Die Arbeitervereine waren eher locker organisiert, die regionalen Verbände blieben vom nationalen Verband unabhä ngig. Es mangelte an einer einheitlichen Programmatik, in der Frage der Staatsform wurde aber mehrheitlich die Republik angestrebt. Zwischen Arbeitervereinen und Vereinen demokratischer Gesinnung traten Synergie-Effekte in der Form auf, als daß nicht nur häufig Doppelmitgliedschaften bestanden, sondern auch gegenseitige Unterstützung und Zusammenarbeit stattfand. Ohne eine parlamentarische Vertretung blieb die Arbeiterbewegung außerparlamentarisch.;
Wettengel, Michael [1998], S. 718-722 und S. 724 und S.727-728.
 Mai 1848
Katholische Vereine (D)
 Die katholischen Vereine, auch "Piusvereine" genannt, vertraten keine ganzheitlichen politischen Programme. Sie konzentrierten sich als auß erparlamentarische Organisationen mehrheitlich auf Fragen bezüglich der Stellung der Kirche im Staat und postulierten die Unabhängigkeit der Kirche vom Staat. Eine Ausnahme bildete der "Kölner Verein", der sich auch durch sozialpolitisches Engagement auszeichnete. In der Revolutionszeit nahmen aber auch die Piusvereine am politischen Leben teil: Wahlkämpfe, Verbindungen zu politischen Fraktionen und politische Auseinandersetzungen gehörten zu ihren Aktionsfeldern. Bei der Organisation von Massenpetitionen stachen die katholischen Vereine besonders hervor. Nach den Wahlen ebbte diese politische Partizipation allerdings ab, einige Vereine lösten sich auf. Mit dem ersten Katholikentag am 5. Oktober 1848 in Mainz ereignete sich für die katholischen Vereine eine Wende: Auf dieser Versammlung schlossen sie sich auf nationaler Ebene zum "Katholischen Verein Deutschlands zusammen", der zwar eher locker organisiert war, jedoch enge Kontakte zum "Katholischen Klub" pflegte, der als interfraktionelle Vereinigung der Nationalversammlung ansässig war. Des Weiteren löste der Katholikentag zahlreiche Gründungen von katholischen Vereinen aus. Die Verbreitung des katholischen Vereinswesens zahlenmäßig zu rekonstruieren fällt schwer, es stellte aber mit Sicherheit eine der stärksten auß erparlamentarischen Organisationen der Revolutionszeit dar. Gleichzeitig verfügten diese Vereine über ein weit angelegtes politische Spektrum: vom strengen Traditionalismus bis hin zu radikalen und demokratischen Tendenzen im Rheinland, was zwangsläufig zu innerparteilichen Differenzen führte. So wurde der Kölner Verein aufgrund seines politischen Engagements vom Katholischen Verein Deutschlands gerügt. Insgesamt gab es zwischen den Vereinen katholischer Prägung und allen anderen politischen Richtungen fließende Übergänge, die soziale Struktur der Piusvereine war stark heterogen. Die "Hochburgen" des katholischen Vereinswesens lagen laut Wettengel in Schlesien, Österreich, in der Rheinprovinz, in Westfalen, in Rheinhessen, in Nassau und in Altbayern. Auf dem zweiten Katholikentag im Mai 1849 in Breslau wurde den Vereinen nahegelegt, sich an rein politischen Fragen nicht zu beteiligen. Diese Aufforderung ist auch als Reaktion auf staatliche Repressalien gegen die politisch aktiven Vereine zu interpretieren, die vermieden werden sollten. Außerdem befürchtete man die Spaltung der eigenen Klientel durch die Diskussion außerkirchlicher Themen. Diese angeordnete Beschränkung des politischen Engagements führte zu einer zunehmend konservativen Ausrichtung der Piusvereine.;
Wettengel, Michael [1998], S. 715-718 und S. 728.
Konservative Vereine(D)
 Bereits seit Mai 1848 bildeten sich in Preußen mit den sogenannten "Preußenvereinen" und den "Patriotischen Vereinen" konservative Organisationen. Sie rekrutierten sich aus bürgerlichen, aber auch handwerklichen und unterbürgerlichen Schichten. Ihre "Hochburgen" befanden sich "in den östlichen Provinzen Preußens, [...] vor allem in Pommern" (S.728). Im Umfeld der "Kreuzzeitung" wurde im Juli 1848 der "Verein für König und Vaterland" gegründet, der schon früh die Bildung einer "Partei" anstrebte. Die Umsetzung dieses Vorhabens scheiterte allerdings an inneren Meinungsunterschieden. Im Mai 1849 wurde zumindest das "Generalcomitee der verbundenen monarchisch-konservativen Vereine" gegründet. In ihm gruppierten sich über 200 Vereine. Das Generalcomitee verfügte auch über Verbindungen zur konservativen Fraktion im Landtag. In über 250 Militärvereinen waren ca. 50.000 Mitglieder verzeichnet. Mit der "Deutschen Wehrzeitung" als Presseorgan bildeten sie eine eigenständige Kraft unter den Konservativen. Ein großes Sammelbecken konservativer Vereine stellte der im Frühjahr 1849 gegründete "Treubund für König und Vaterland" dar: In ihm schlossen sich über 300 Vereine mit ü ber 60.000 Mitgliedern zusammen. Weitere Organisationen mit konservativer Prägung bestanden in den "Sachsenvereinen", den "Schutzvereinen", den "Veteranenvereinen" und den "Vereinen für Ordnung und Sicherheit". Politisch standen den konservativen Vereinen die liberalen Konstitutionellen am Nächsten.;
Wettengel, Michael [1998], S. 714-715 und S. 728.
 1.3.1849
Märzvereine (D)
 Auf dem Höhepunkt der Reichsverfassungskampagne fanden demokratische und konstitutionelle Vereine zueinander, um das Verfassungswerk der Paulskirche zu retten: Es kam zur Gründung der sogenannten "Märzvereine", "die nun mit aller Kraft das Werk der Nationalversammlung gegenüber der erstarkenden Reaktion zu verteidigen suchten" (S. 156). Es handelt sich "um eine nationale Sammlungsbewegung mit bemerkenswerter Stoßkraft, die das beide Parteirichtungen Einigende, nämlich die nationale Frage, in den Vordergrund stellte und auf diese Weise eine Brücke zwischen beiden Parteien zu schlagen versuchte;
W. J. Mommsen: Die ungewollte Revolution, S. 156-158
Informationen aus dem Lexikon zu Orten:  1917 Turnerfeste  Schon seit der Gründung der ersten Turnvereine spielten auch Turnerfeste eine Rolle. Sie sollten die Kommunikation fördern, neue Mitglieder werben und Identifikationsmöglickeiten bieten. Einen besonders großen, auch überregionalen Zuspruch fand 1847 das Frankfurter Turnfest. Es wird angenommen, dass derartige Feste zur Entstehung einer revolutionären Situation beitrugen. Hier geäußerte Meinungen wurden über die allgemeine Presse und die Turnerpresse verbreitet. Anlaß für solche Feiern waren oft Jahrestage des Vereins oder die Einweihung neuer Turnlokale. Sie begannen mit der Begrüßung der Gäste. Es folgten Schauturnen oder Wettbewerbe, ein gemeinsames Mittagessen und Musikdarbietungen.; Egger, Heike (1998), S. 59-60 Informationen aus dem Lexikon zu Orten:

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